Das Verhältnis zwischen Robotic Process Automation und Workload Automation

von Februar 13, 2018

Wie können die zunehmend eingesetzten RPA-Lösungen in die übergeordnete Automatisierungslandschaft eingebettet werden?

Das erst wenige Jahre verfolgte Konzept der robotergesteuerten Prozessautomatisierung (Robotic Process Automation – RPA) ist immer noch geprägt von rasanten Entwicklungen, deren Ziel oder Richtung nicht eindeutig festgelegt sind. Die Hersteller selbst testen ein wenig hier und ein wenig dort mit ihren Produkten und sind damit mal mehr und mal weniger erfolgreich. Nichtsdestotrotz können wir davon ausgehen, dass sich künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen weiterentwickeln und einen Einfluss auf Automatisierungslösungen im Allgemeinen nehmen werden, auch wenn RPA diese Fähigkeiten derzeit wenig nutzt.

Streng genommen ist die Bezeichnung „robotergesteuert“ unglücklich gewählt, bezieht sie sich doch hauptsächlich auf die Fähigkeit des Tools, repetitive Aufgaben auszuführen und nicht auf eine Form der künstlichen Intelligenz. Tatsächlich wird RPA in den meisten Fällen dazu genutzt, menschliche Interaktionen über eine Benutzerschnittstelle nachzuahmen. Die jeweiligen Prozesse lassen sich mithilfe von einfach zu demonstrierenden Schritten definieren. Ein wichtiges Verkaufsargument ist daher auch, dass für den Einsatz von RPA kein Code geschrieben werden muss und auch nicht-technische Anwender die Software anlernen können. RPA bedient also Softwareapplikationen, indem sie menschliches Verhalten durch regelbasierte Tasks imitiert. Auch die Spezialisten von Gartner heben diesen Punkt hervor, indem sie RPA einen „virtuellen Mitarbeiter“ nennen. Sie sind der Ansicht, dass RPA besonders dann sinnvoll ist, wenn Unternehmen nach einer Lösung suchen, um Arbeitskräfte bei manuellen Tätigkeiten zu unterstützen oder diese vollständig zu ersetzen.

Stärken und Schwächen von Robotic Process Automation

​Die wichtigsten Vorteile der Einführung von RPA sind die erheblichen Kosteneinsparungen und die höhere Geschwindigkeit, mit der manuelle Tätigkeiten erledigt werden können. Laut dem Institute for Robotic Process Automation können „alle Unternehmen, die in größerem Rahmen Mitarbeiter für profane Arbeitsabläufe einsetzen und bei denen Personen große Volumen hoch transaktionaler Prozesse bearbeiten“, von diesen Vorteilen profitieren.

RPA eignet sich am besten für bestimmte umfangreiche Workloads, die keinen Entscheidungsspielraum zulassen. Handelt es sich hierbei jedoch um die einzige Strategie, kann diese schnell zum Schwachpunkt werden: Der Return on Investment von RPA ist abhängig von der Menge der eingesparten Zeit für Anwender und der höheren Präzision. Die bedeutet, es müssen Tätigkeiten in großem Umfang anfallen, damit Sie den „Bot“ bezahlen können. Ironischerweise gibt es abgesehen von umfangreichen HR-Prozessen normalerweise wenige Umgebungen, bei denen Aktivitäten mit manuellen Eingriffen in größerem Maßstab erforderlich sind.

Darüber hinaus werden in den Fällen, in denen es erforderlich ist, eine große Gruppe von „Bots“ einzusetzen, zahlreiche Ausführungsinseln geschaffen, die teilweise gut versteckt sind und für den restlichen Geschäftsbetrieb unsichtbar bleiben. Aus diesem Grund ist es häufig schwierig zu wissen, ob der „Bot“ arbeitet, wenn er denn etwas zu tun hat, und wie die nächste Aktion gestartet werden kann.

Mit oder ohne Workload Automation

Trotz der zahlreichen Vorteile (das Kosteneinsparpotenzial, der Einsatz durch Anwender ohne tiefer gehende technische Kenntnisse usw.), unterliegt der isolierte Einsatz einer RPA-Software eindeutig starken Einschränkungen. Da der sinnvolle Einsatz auf bestimmte Szenarien begrenzt ist, muss RPA immer Teil einer übergeordneten Automatisierungsstrategie sein, wenn sie einen echten Mehrwert für Unternehmen darstellen soll.

Mit einer umfassenden Lösung für Workload Automation (WLA) ergibt sich ein breiterer Rahmen für einen nutzbringenden Einsatz. Ein Unternehmen steht und fällt mit seinen Unternehmensprozessen. Hinter diesen verbirgt sich mehr als die reine Bewältigung von umfangreichen Nutzeraktivitäten an bestimmten Stellen des Prozesses. WLA umfasst User-Modelling-Aktivitäten, sodass der aus den Tätigkeiten resultierende Geschäftserfolg überprüft werden kann und alle Facetten eines Prozesses, also mehr als die Umsetzung routinemäßiger Tastatureingaben, berücksichtigt werden. Und auch wenn Nutzer bei dem Einsatz von Workload Automation keinen „Bot“ erstellen, können Sie Szenarien über bestehende Schnittstellen als Teil übergeordneter Automatisierungsstrategien immer wieder wiederholen.

Im Zuge des technologischen Fortschritts suchen Anbieter nach Möglichkeiten, Funktionen für wichtige Unternehmensapplikationen zu entwickeln, aber sie haben immer noch keine Möglichkeit gefunden, den durch einen Prozess generierten Unternehmenserfolg zu bestimmen. Und in Umgebungen, in denen es Sinn macht, RPA in großem Maßstab einzusetzen, ist eine Koordination durch eine größere Plattform unerlässlich, um die nötige Transparenz zu erzielen und die Bereitstellung von Ergebnissen für das Business proaktiv zu beeinflussen.