Zwischen Ops, DevOps und NoOps!

by November 9, 2017

Keine Agilität ohne die Basics– eine Verteidigung der IT-Operations in Zeiten von DevOps.

Developer sind „in“. Wer früher als Nerd verschrien war, ist heute cooler Umsatzmacher. Kein Wunder, denn viel hängt davon ab, wie die Applikationen performen, wie euphorisch die Anwender urteilen. Nun hat der Fokus auf Entwickler eine neue Welle ausgelöst: den Trend, ganz auf Operations zu verzichten.

Ist NoOps die logische Schlussforderung von DevOps – und was heißt das für Software-Entwicklung und -Betrieb?

Manche sagen, die Evolution der DevOps-Kultur führt zu einer weiten Verbreitung einer Entwicklungsstrategie, in der Entwickler nicht länger von IT-Betrieb abhängen. Diese NoOps-Strategie wird gerne diskutiert. Aber sie ist nicht nur theoretisches Konstrukt. Einige wenige Unternehmen haben sie bereits implementiert. Auch wenn eine breite Akzeptanz bisher ausgeblieben ist, lohnt ein genauerer Blick auf den Ansatz.

Ist die Inhouse IT ein Auslaufmodell?

WannaCry hat das Augenmerk einmal mehr auf die klassischen ITler gelenkt: Unternehmen, die nicht in der Lage waren, bestehende Patches für bekannte Schwachstellen aufzuspielen, sorgten für Schadenfreude bei IT Professionals. Nun ist es Teil der DevOps-Bewegung, auf eine Reduzierung der Operations-Mannschaft hinzuarbeiten. Ist also NoOps eine logische Konsequenz von DevOps?

DevOps ist als Methode für Continuous Deployment von Applikationen und Patches eine etablierte Methode, die dabei helfen soll, wettbewerbsfähig zu bleiben. Ops – das heißt in diesem Zusammenhang Release- und Konfigurations-Management, bezieht sich aber selten auf den Betrieb eines Rechenzentrums oder den Einsatz virtueller Maschinen. Diese Aufgaben werden – zumindest in der Theorie – oft einem Cloud Service Provider überlassen.

Aber heißt digitale Transformation nicht auch, eine leistungsstarke und flexible Infrastruktur zu schaffen – und die ist nicht immer nur und ausschließlich Cloud. Schließlich fängt fast kein Unternehmen auf der grünen Wiese an, immer muss man mit existierenden Rechenzentren und Komponenten leben.

Hat NoOps das Potenzial, gelebte Realität zu werden?

Es ist sicher möglich, die Bereitstellung und das Management der Infrastruktur, die man für den Einsatz der Anwendungen braucht, zu automatisieren. Auch wenn es für sie eine Herausforderung darstellt, könnten Entwickler selbst Live Code verwalten und warten, statt nur zu entwickeln. Es bleibt aber die Frage, welche Technologie für reines NoOps notwendig wäre – etwa für Monitoring, Feedback, Root- Cause-Analysen und Fehlerbehebung.

Kann man dieses Szenario nur mit Cloud-Infrastruktur erreichen oder kann es auch on-premise umgesetzt werden? Und was tut dann in-house IT-Operations? IT-Teams, die in agilen Umgebungen arbeiten, kämpfen oft mit einer serverlosen Umgebung. Das ist die einzige Art und Weise, wie Entwickler mit wenig Ops-Wissen DevOps-Methoden für den Einsatz von Applikationen im Hause genauso einfach nutzen können wie in einem Cloud-basierten Service.

 

Wachsender Druck auf IT-Operations

Ist eine serverlose Umgebung aber überhaupt Realität? Es stellt sich die Frage, welche Rolle IT-Operations heute überhaupt hat. In einer Studie von Freeform Dynamics wurden im Sommer 2017 400 IT Professionals unter anderem zum Beitrag von IT-Operations zum Geschäftserfolg in Konzernen und Mittelstand befragt. Das Resultat war eindeutig: „wir würden gerne, können aber nicht“.

Der Druck auf die ITler ist hoch und er kommt überwiegend von DevOps und Agilen Praktiken (so 68% der Befragten). Genannt wurden auch immer höhere Anforderungen an die Leistung, schnellere Software-Releases, mehr Anforderungen durch Security & Compliance und dann noch die Koordination zwischen Cloud-Aktivitäten und On-Premise. Der Job wird noch schwieriger, weil oft keine adäquaten Tools zur Verfügung stehen oder vieles manuell erledigt werden muss. Komplexität war das Wort, das am häufigsten genannt wurde.

Überlastung führt zu Fehlern und langsameren Reaktionszeiten. Änderungen werden spät oder zu spät umgesetzt, der Geschäftsbetrieb wird unflexibler. Ein solches Ergebnis trägt stark zum wackligen Image der IT-Operations bei.

Warum die IT nur schwer mit den Entwicklungen Schritt halten kann

Ein Blick auf den Job zeigt auch, wie es dazu kommen konnte. Die IT-Abteilung ist zuständig, den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Das heißt, sie verwaltet immer komplexere Umgebungen mit oft veralteten Tools und Prozessen – ohne die Ressourcen, viel zu verändern. Aber ganz ehrlich: Es würde auch nichts lösen, die Infrastruktur vollkommen zu standardisieren und Prozesse und Tools perfekt aufzusetzen. Eine IT-Umgebung im Unternehmen ist beständig im Fluss. Sie ist so agil, wie das Development und muss beständig Schritt halten mit den Anforderungen der digitalen Welt.

Doch gute User Experience hängt nicht nur an ansprechenden Apps und Web Interfaces, sondern auch an Backend-Systemen, die schnell, zuverlässig und sicher sind – und flexibel genug, um mit der DevOps- Geschwindigkeit Schritt zu halten.

Am Ende ist das ‘Ops’ genauso erfolgskritisch wie das ‘Dev’. Sie nur darauf zu reduzieren, den Betrieb am Laufen zu halten, ist einfach kontraproduktiv. Es wäre viel eher sinnvoll, hier gleichfalls strategisch zu investieren, denn keine Applikation wird performen, wenn das Backend nicht stimmt. Und dieses Backend ist eben nicht immer nur in der Cloud.